Stammen die Bausteine des Lebens aus dem All?
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Chemie bei minus 260 Grad
Wie können in der lebensfeindlichen Kälte des Alls komplexe Moleküle entstehen? Die Antwort liegt in den riesigen Molekülwolken aus Gas und Staub. In diesen Gebieten herrscht eine ganz eigene Dynamik.
Winzige Staubpartikel (aus Silikaten oder Graphit) dienen als „Reaktionsplattformen“. Auf ihrer Oberfläche frieren Atome wie Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff fest und bilden Eismäntel.
Trotz der extrem niedrigen Temperaturen ermöglichen Quanteneffekte und die energetische Strahlung naher Sterne chemische Reaktionen, die auf der Erde so nicht stattfinden würden. Aus einfachen Verbindungen wie Wasser und Kohlenmonoxid entstehen durch Bestrahlung komplexe organische Moleküle.

Warum das unsere Sicht auf die Evolution verändert
Einem Forscherteam unter der Leitung von Dr. Mitsunori Araki ist es zum ersten Mal gelungen, ein kompliziert aufgebautes, ringförmiges Schwefel-Molekül im Weltall zu finden. Dies ist entscheidend, da Schwefel ein zentraler Baustein für Proteine und Enzyme ist. Der Fund beweist, dass die „Zutatenliste“ im All weitaus vollständiger ist, als wir dachten.
Die Entdeckung zeigt, dass die chemischen Grundsteine für Proteine und Erbgut kein glücklicher Zufall der Erdentwicklung sind. Das „Starter-Kit“ für biologisches Leben wird im Universum scheinbar serienmäßig produziert. Überall dort, wo Sterne und Planeten entstehen, ist die „Chemie des Lebens“ bereits vorhanden.
Der Asteroiden-Express
Wenn sich ein neues Sonnensystem bildet, ballen sich der Staub und das Gas der Molekülwolke zu Planeten, aber auch zu Kometen und Asteroiden zusammen. Diese Himmelskörper konservieren die komplexe Ur-Chemie. Die Theorie besagt nun, dass ein intensives Bombardement dieser Objekte die junge Erde mit organischem Material „geimpft“ hat, noch bevor die erste Zelle entstand.


Wenn die Bausteine des Lebens allgegenwärtig sind, erhöht dies statistisch die Chance auf außerirdisches Leben massiv. Wir suchen nicht mehr nach einem chemischen Wunder, das nur auf der Erde geschah, sondern nach der konsequenten Fortführung eines universellen Prozesses.
Die Evolution ist damit weit mehr als eine rein biologische Disziplin. Sie ist die Fortsetzung einer kosmischen Chemie, die vor Milliarden von Jahren zwischen den Sternen begann. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes aus „Sternenstaub“ gemacht – unsere DNA hat ihre Wurzeln in den dunklen, kalten Weiten des Galaktischen Zentrums.
Quellen
Max-Planck-Gesellschaft (23. Januar 2026): New insights into the origins of the chemistry of life
JWST Observations of Young protoStars (JOYS+): Detecting icy complex organic molecules and ions
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