De Waals Entdeckung der evolutionären Wurzeln von Gerechtigkeit und Mitgefühl

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De Waals wegweisenden Studien über Schimpansen, Bonobos und Kapuzineraffen enthüllten, dass Tiere weit mehr sind als bloße Instinktwesen. Sie besitzen Empathie, zeigen Mitgefühl, lösen Konflikte durch Versöhnung und reagieren auf Ungerechtigkeit.
Diese Erkenntnisse widersprachen dem traditionellen Mensch-Tier-Dualismus und verdeutlichten die tiefe Verbundenheit zwischen uns und unseren nächsten Verwandten im Tierreich.
Er erreichte mit seinen Thesen derart viele Menschen, dass das Time Magazine ihn 2007 zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt kürte. „Wir mögen akzeptieren, dass wir vom Affen abstammen“, heißt es in der Begründung. „Aber es braucht Menschen wie Frans de Waal, um uns zu erinnern, dass wir noch gar nicht so weit gereist sind.“
Emotionen, soziale Fähigkeiten, Kooperation und Planung
Emotionen und soziale Fähigkeiten sind nicht exklusiv menschlich. Frans de Waal beobachtete, wie Schimpansen sich um ältere und kranke Gruppenmitglieder kümmerten, wie Primaten nach Konflikten Versöhnungsgesten austauschten und wie Kapuzineraffen auf unfaire Behandlung reagierten.
Seine Experimente mit Kapuzineraffen, die Ungerechtigkeit erkennen und darauf reagieren, sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der Forschung.

Mitfühlendes Verhalten ist evolutionär
Seine Arbeit trug maßgeblich zur Evolutionstheorie bei, insbesondere zur evolutiven Ethik.
De Waal widersprach der Annahme, Moral sei eine reine kulturelle Konstruktion, und argumentierte, dass moralisches Verhalten evolutionär aus sozialen Instinkten hervorgegangen ist, die sowohl Menschen als auch Tieren eigen sind.
Er erweiterte Darwins Theorie, indem er soziale Intelligenz und moralisches Verhalten als zentrale Elemente des evolutionären Prozesses hervorhob.
De Waals Forschung trug dazu bei, das Verständnis von Menschlichkeit neu zu definieren und die Grenzen zwischen Mensch und Tier zu verwischen.
Tierethik als gesellschaftliche Verantwortung
Seine populärwissenschaftlichen Bücher, wie „Chimpanzee Politics“ und „Das Prinzip Empathie“, erreichten ein breites Publikum und inspirierten zu Diskussionen über Ethik, Evolution und die Rolle des Menschen in der Natur.

De Waals Einfluss auf die Evolutionsbiologie ist tiefgreifend und nachhaltig. Seine Arbeit hat nicht nur die Wissenschaft geprägt, sondern auch gesellschaftliche Debatten über Tierethik und unsere Verantwortung gegenüber anderen Lebewesen angestoßen.

Mehr Informationen
https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal
https://www.philomag.de/artikel/frans-de-waal-der-mensch-ist-von-natur-aus-fuer-empathie-und-kooperation-begabt
https://www.tagesspiegel.de/wissen/vetter-der-affen-primatenforscher-frans-de-waal-ist-tot-11382667.html